Archiv des Autors: Stefan Evertz

Wird es ein BarCampRuhr3 geben?

von Stefan Evertz am 23.04.09 um 5:27 Uhr | 17 Antworten

Nach dem BarCampRuhr2, das offenbar insgesamt sehr gut bei den TeilnehmerInnen angekommen ist, wurden bzw. werden die Rufe immer lauter, dass es auch im nächsten Jahr ein BarCampRuhr geben soll. Und es war ja durchaus zu erwarten, dass diese Rufe nicht ungehört bleiben würden…

Daher habe ich mich entschieden, auch im Jahr 2010 ein BarCamp im Ruhrgebiet zu organisieren. Die Antwort auf die Eingangsfrage lautet also: Ja! Und einen Termin gibt es auch schon: Das BarCampRuhr3 wird am 20.-21. März 2010 in Essen stattfinden! Ort des Geschehens wird natürlich wieder das Unperfekthaus sein, wo man sich schon auf uns freut.

Als neugeschaffene zentrale Anlaufstelle gibt es – nebem dem zum Hashtag passenden Twitter-Account: bcruhr3 – ein neues Mixxt-Netzwerk unter www.barcampruhr3.de, wo ihr gerne schon Mitglied werden könnt. Die eigentliche Anmeldung (d.h. die Freischaltung der Teilnehmerlisten) wird aber noch „etwas“ dauern 😉

Logo BarCampRuhr3

So, die Ankündigung wäre also gemacht. Und wer jetzt noch Fragen hat – oder das BarCampRuhr3 als Sponsor / Partner unterstützen möchte, kann mich natürlich gerne ansprechen.

BarCampRuhr2: Official Fazit und Poken-Start

von Stefan Evertz am 05.04.09 um 5:47 Uhr | 1 Antwort

barcampruhr2

Am letzten Wochenende fand es nun also statt, das 2. BarCamp im Ruhrgebiet. Und wenn man den diversen Berichten (und den Bildern und persönlichen Rückmeldungen) glaubt, war es ein atmosphärisch dichtes, gemütliches und rundum gelungenes BarCamp. Ich jedenfalls fand es toll, verneige mich dankend bei allen Beteiligten und freue mich, dass ich es organisieren durfte 🙄

48 Stunden BarCampRuhr2

Am ersten Tag waren gut 180 TeilnehmerInnen vor Ort, am zweiten Tag wurde es ein wenig ruhiger. Die „beliebteste“ Session war meines Erachtens – neben der Abschluss-Session (siehe Video) und der Eröffnungs-Session am Samstag (siehe Video und Gruppenphoto) – die Session der Duisburger Philharmoniker, die von einem Auftritt der Philharmonixx gekrönt wurde. Bei Flickr gibt es übrigens Sessionboard-Photos von Samstag und Sonntag. Und zu diversen Sessions finden sich mittlerweile auch vertiefende Links im Wiki.

Nicht unerwähnt sollen die „Poken“ bleiben, die in bester viraler Manier nach einem ersten Erscheinen dann bei „uns“ hier in Essen erstmals eine größere Gruppe beglückt haben. Nach zahlreichen Auftritten im Rahmen der re:publica und ersten Presseberichten (siehe z.B. www.golem.de) sollen die „Plastikteilchen mit Potential“ wohl im Mai offiziell in Deutschland erhältlich sein. Wir werden sehen, ob und wie weit sich die Poken(s?) durchsetzen können 😉

Abschließend sei noch schnell die dort gestellte Frage (bzw die Formel „2009 = bcruhr2, 2010 = bcruhr3?“) beantwortet: Ich weiß es nicht.Ja! (geändert 23.04.09)

P.S. Nach dem Klick könnt ihr euch jetzt noch die oben verlinkten Videos anschauen:
Weiterlesen

BarCampRuhr2: Danke an…

von Stefan Evertz am 31.03.09 um 5:46 Uhr | 5 Antworten

… die folgenden Firmen und Organisationen, die das BarCampRuhr2 unterstützt haben:
barcampruhr2
DGB Bildungswerk - Forum Politische Bildung
Otto
Norton (by Symantec)
T-Mobile
Duisburger PhilharmonikerMicrosoft
HostEuropeprojektwerk
galiasWebstandards Magazin

…an das Unperfekthaus und sein Team
Neben den Sponsoren gilt es auch, dem Unperfekthaus zu danken, deren Team mich und uns im Vorfeld und vor allem vor Ort bestens betreut hat: Vielen lieben Dank an Markus, Christoph, Boris, Martin, Daniela, (mehr Namen fallen mir leider nicht ein) und an Reinhard!

…an das „Orga-Team
(im Video zur Begrüßungs-Session ab 3’55“):
[flash]http://vimeo.com/3893596[/flash]

…und an Euch!
Gruppenfoto BarCampRuhr2

DANKE!

BarCampRuhr2: Alle Plätze sind weg

von Stefan Evertz am 14.02.09 um 20:57 Uhr | 2 Antworten

MTA_Strike_20
Lizenz: Creative Commons License Photo: Pro-Zak
Ich muss offen zugeben: Damit haben wir nicht gerechnet. Ich hatte zwar schon im Vorfeld der gestrigen Listenöffnung beim BarCampRuhr2 offline herumspekuliert, dass wir entweder „nach 20 Minuten voll“ sind oder aber am Montag noch viele Plätze frei sein würden.

Letztendlich war ich (und waren wir) dann aber doch ziemlich überrascht, was da für ein Ansturm losbrach. Wer hätte geahnt, dass wir nach etwa 2 Stunden komplett belegt sein würden – selbst nach Freigabe aller Restplätze. Mein lieber Scholli!

Dieser Status war übrigens beim ersten BarCampRuhr „erst“ nach mehr als 6 Wochen erreicht (soweit ich mich erinnern kann; siehe auch „BarCampRuhr: Es sind noch Plätze da„) – und nicht nach 2 Stunden. Und auch mit den etwa 70 Neuanmeldungen im BarCampRuhr2-Netzwerk am gestrigen Tage war wohl kaum zu rechnen.

Für diejenigen, die es nur noch auf die Warteliste geschafft haben, tut es mir leid. Aber es bleibt ja noch die (nicht unberechtigte) Hoffnung, dass da noch ein paar Menschen abspringen und sie aufrücken können.

Die offizielle Anlaufstelle für das BarCampRuhr2 ist und bleibt jedenfalls www.barcampruhr.de. Ähnliches wie hier habe ich gestern bereits kurz im begleitenden Blog losgelassen. Und den Gedanken von Kathrin habe ich sowieso nichts hinzuzufügen.

Und jetzt freue ich mich einfach nur noch auf das BarCampRuhr2!

venteria hat uns verlassen (Update 1-4)

von Stefan Evertz am 10.02.09 um 5:50 Uhr | 14 Antworten

venteria venteria (venteria.com, früher „wevent“) ist einer der beliebtesten „Social Calendaring“-Dienste (zur gemeinsamen Verwaltung von Terminen und Veranstaltungen im Rahmen eines Social Networks) in der deutschen „Web 2.0“-Szene. Oder besser gesagt: Er war es.

Denn scheinbar hat das kleine Team rund um Dennis Blöte den Stöpsel gezogen – zumindest wenn man sich das Video auf venteria.com (Text zum Video) und den letzten Tweet bei @venteria ansieht. Ausser dem venteria-Blog (letzter Eintrag vom 28.08.09) sind auf der Website keinerlei Inhalte (und somit auch keinerlei Veranstaltungen) mehr vorhanden.

Der vorangegangenen mehrtägige Serverausfall verhieß schon mal nichts gutes. Und ein denkbarer Relaunch zieht sich normalerweise nicht über mehrere Tage. Der quasi kommentarlose Abgang überrascht dann aber doch. Nun kann es natürlich sein, dass ich mich irre – ich würde mich über einen solchen Irrtum freuen, sehr sogar. Aber ich glaube es eigentlich nicht mehr…

Insofern bleibt nur, den Machern zu danken. Ihr habt – quasi aus dem Nichts – ein tolles Tool auf die Beine gestellt, das es – zumindest im deutschsprachigen Web 2.0-Bereich – geschafft hat, den großen Yahoo-Sproß upcoming deutlich zu überholen. Und das muss euch erst mal jemand nachmachen. Das Ende hätte man vielleicht etwas deutlicher kommunizieren können, aber nichtsdestotrotz: Vielen Dank! Und meinen Respekt für das Erreichte!

Update 10.02.09, 08:26 Uhr:
Dennis hat mir eben per E-Mail bestätigt, dass die Seite geschlossen wird. Die „vermutenden“ Formulierungen oben im Artikel haben sich also erledigt – sehr schade 👿

Update 10.02.09, 19:04 Uhr:
Zur Zeit ist die Seite wieder online, wie auch unter @venteria zu lesen ist:

für alle die ihre Daten brauchen, holt sie euch – die Seite läuft grad wieder

(und in einem weiteren Tweet heißt es dann noch:)

btw: Ich lass sie auch erstmal laufen, solange sie läuft 😉

Und jetzt genießt die letzten Stunden (oder Tage?) mit venteria 🙄

Update 10.02.09, 21:19 Uhr:
Mittlerweile gibt es einen neuen Artikel im venteria-Blog (siehe auch blog.venteria.com) – kleinen Hoffnungsschimmer inklusive:

Sören und ich haben schon länger nicht mehr selbige, um uns in dem Maße um die Seite zu kümmern, wie sie es eigentlich bedarf. Von der Weiterentwicklung mal ganz abgesehen kann es immer mal wieder vorkommen, dass etwas mit dem Server nicht stimmt und keiner von uns die Zeit hat, sich direkt drum zu kümmern. Soviel zur Rechtfertigung – ich denke es gibt keinen Grund, dass man sich dafür so stumpf dissen lassen muss…

Daraus habe ich den Schluß gezogen, dass es wohl das beste und ehrlichste wäre, die Seite zu schließen – denn wie wir spätestens die letzten Tage festgestellt haben, liefert die Plattform zumindest für einige Leute Infrastruktur, auf die sie sich verlassen – und eben das können wir aktuell nicht garantieren. Nichtsdestotrotz zeigt der Zuspruch den wir bekommen haben auch, dass es vorerst dumm wäre, die Seite vom Netz zu nehmen, nur weil mal der Server ausgefallen ist. Was also tun?

Das würde ich hiermit sogar gerne zur Diskussion stellen, denn schon vor dem Ausfall haben sich Leute angeboten, uns zu unterstützen. Dabei ist keine finanzielle Unterstützung gemeint, sondern vielmehr die Zusammenstellung einer Gruppe von Leuten, die sich sowohl um Weiterentwicklung als auch um den Betrieb kümmern. Über das was und wie müsste dabei sicher geredet werden, aber es wäre ein Versuch, der immerhin besser wäre, als die Seite ganz vom Netz zu nehmen. Sie bleibt somit erstmal, bis eine Lösung gefunden ist.

Nachdem ja zunächst die quasi umgehende Abschaltung angekündigt war, scheinen sich nun doch erste Überlegungen abzuzeichnen, das Projekt auf mehrere Schultern zu verteilen – und somit eventuell zu retten. Details kann man z.B. in einer kleinen (und frisch gegründeten) Facebook-Gruppe nachlesen. Offenbar will sich nun das Railslove-Team verstärkt um die Technik kümmern – definitiv ein erster wichtiger Schritt.

Davon zu sprechen, dass die venteria-Kuh vom Eis ist, ist wohl noch verfrüht, aber immerhin liegen jetzt die Karten offen auf dem Tisch. Und man kann möglicherweise doch noch hoffen 😉

Update 12.02.09, 23:55 Uhr:
Heute abend hat Dennis per Blog bekanntgegeben, dass sie sich entschlossen haben, venteria zu verkaufen (siehe blog.venteria.com[2]):

Here’s the deal: Verkaufsobjekt ist das komplette Projekt venteria, inklusive existierender Markenanmeldung (für Deutschland) und den Domains venteria.com und venteria.de (Google PageRank 5). Sowohl die Software (implementiert mit Ruby on Rails) als auch die Inhalte gehen in den Besitz des Käufers über – auf Wunsch kann auch das Hostingpaket (aktuell ein Virtual Server bei HostEurope) übernommen werden. Ein paar Zahlen dazu: Aktuell besteht die Nutzerbasis aus 1.500 angemeldeten Benutzern [2]

Auch wenn ich soeben dort meinen Account gelöscht habe (und somit leider die Verkaufsmasse um 0,6 Promille gesenkt habe), wünsche ich den venterias viel Erfolg beim Verkauf – und dem werdenden Vater alles Gute 😉

Es ist zwar schade, aber ich kann es verstehen. Wenn es nicht geht, geht es nicht.

(via www.alltagskakophonie.de)

Einfache Sprache

von Stefan Evertz am 06.02.09 um 21:32 Uhr | Schreibe eine Antwort

Den lieben langen Tag hat unsereins mit Sprache zu tun. Es sind Worthülsen dabei, und auch Begriffe, die binnen kürzester Zeit einen Gewinner beim Bullshit-Bingo hervorbringen würden. Es sind viele Worte, sehr viele, und manchmal auch Textbausteine. Es sind gechattete Worte, getwitterte Worte, gebloggte und gemailte Worte. An manchen Tagen fühlt man sich ganz leer, so viele Wortwellen hat man den ganzen Tag wogen lassen.

Man sagt „Haben Sie sich den Vorschlag mittlerweile schon mal ansehen können?“ statt „So ein Scheiß – erst soll da spätestens gestern was vorliegen und dann rühren Sie sich tagelang nicht!“. Man liest lange und wohlgesetzte Texte, die einen von der Bedeutung der jeweiligen Vision überzeugen sollen, und die nur kaschieren sollen, dass der Autor nicht an einer anderen, kritischen Meinung interessiert ist. Man liest Texte mit guten, aber komplexen Gedanken und noch komplizierteren Worten.

Und dann stolpert man über Worte wie „ehrenhaft“ und „beherzt“ oder auch „klug“. Und sie sollen etwas beschreiben, das mit einem selbst zu tun hat. Fast unmodische, einfache Worte. Einfache Sprache. Und einfach schön.

Danke.

BarCampRuhr2: Anmeldung in einer Woche

von Stefan Evertz am 06.02.09 um 13:23 Uhr | 1 Antwort

barcampruhr2

Hinter den Kulissen basteln wir mit Hochdruck daran, ein tolles BarCampRuhr2 auf die Beine zu stellen – was es dank der Kooperationsbereitschaft der Sponsoren und der vielen kleinen Unterstützungen im Hintergrund mit Sicherheit auch werden wird.

Und wie ja Katti, Jens, Djure und die Ruhrbarone schon vermeldet haben, werden wir in einer Woche, d.h. am

Freitag, 13. Februar 2009

die Teilnehmerlisten öffnen. Die genaue Uhrzeit folgt dann spätestens am Mittwoch; Hinweise zum Anmeldeverfahren findet ihr im übrigen unter www.barcampruhr.de[2]. Und nun könnt ihr euch langsam schon warmmachen, damit ihr – mit ein klein wenig Glück – am Freitag eine der gelungenen Banner-Varianten von Sascha Aßbach (blog.assbach.de) ins Blog packen könnt:

barcampruhr2

Warum ein Bloggerverband keinen Sinn macht

von Stefan Evertz am 05.02.09 um 10:29 Uhr | 15 Antworten

Im Rahmen des demnächst stattfindenden WordCamps plant Alper Iseri eine Diskussion zum Thema „Gründung eines Bundesverbandes deutschsprachiger Blogger“ (siehe auch wordcamp.de) und hält folgende Aktivitäten für denkbar:

  • Regelmäßige Treffen zwischen den Mitgliedern organisieren und so einen Gedankenaustausch fördern.
  • Selbstverpflichtende Grundregeln verfassen, die eine Art Ethik-Richtlinie für das Bloggen darstellen könnte.
  • Große öffentlichkeitswirksame Blogpostings ihrer Mitglieder forcieren, um ein bestimmtes Thema in die breite Öffentlichkeit zu bringen.
  • Rechtsbeistand bei unklaren Fragen und Mitgliederhotline.
  • Schaffung gemeinsamer Studien zur Veröffentlichung und Generierung von Aufmerksamkeit durch die Medien.
  • Lobbyarbeit für deutschsprachige Blogger und ihre Wünsche und Anforderungen an den Gesetzgeber.
    Pressearbeit
  • Grundlagen und Informationen für Jugend- und Datenschutz

In den letzten Tagen (und durchaus aus aktuellem Anlass) hat der Gedanke mittlerweile Kreise gezogen und es kündigen sich bereits weitere Überlegungen und konkrete Maßnahmen an (siehe z.B. www.alles2null.de[1], www.alles2null.de[2], www.blog.datenwachschutz.de oder www.meetinx.de).

Gemeinsamkeit der Akteure: (Fast) keine
Alle Überlegungen enthalten aber – zumindest in meinen Augen – die Annahme, dass es wirklich eine Blogger-Community gibt, die es zu bündeln gilt. In der Realität ist allerdings meines Erachtens das Gegenteil der Fall. Es gibt nicht „den“ Blogger; zu unterschiedlich sind die Motivationen (privat, beruflich, fachlich) und die Themen. Genausowenig gibt es eine „Blogosphäre“ – stattdessen gibt es eine Vielzahl von Netzwerken bzw. ansatzweise vernetzter Blogs.

Die Gemeinsamkeit der Blogger erschöpft sich in letzter Konsequenz im gleichen (bzw. ähnlichen) Werkzeug – der Verwendung bestimmter CMS-Software (wie WordPress etc.). Ein (Bundes-)Verband von Stichsägenbenutzern wäre wohl ähnlich sinnvoll…

An diesem Punkt haben sich meines Erachtens die meisten aufgelisteten Punkte leider bereits erledigt. Alle Überlegungen „die Mitglieder“ oder „die Gemeinschaft“ bzw. gemeinsame Aktivitäten betreffend entbehren einer konkreten Grundlage. Und juristische Rahmenbedingungen gibt es bereits (Grundgesetz, Jugend- und Datenschutz, etc.) – so reformbedürftig sie auch sein mögen (s.u.).

Spannend finde ich dagegen den Punkt „Rechtsbeistand bei unklaren Fragen und Mitgliederhotline“. Im folgenden will ich versuchen, mir diesen Aspekt etwas näher anzusehen, wobei ich hier ein in Richtung „Rechtschutz“ erweitertes Verständnis für sinnvoll halte.

Rechtsschutz
Auf den ersten Blick ist es ein reizvoller Gedanke. Ein einzelner Blogger wird abgemahnt und kann auf einen „Topf“ (oder eben die Leistungen einer gemeinsamen Versicherungspolice) zurückgreifen, um sich gegen die Abmahnung zu wehren.

Im Detail verliert es allerdings schnell diesen Reiz. Spielen wir doch einfach mal mit ein paar Werten. Nehmen wir mal an, dass 500 Blogger im Jahr jeweils 30 EUR zahlen würden. Selbst wenn da nur 10 Prozent „Overhead“-Kosten (für die minimalen Aufwände eines solchen Verbandes für Porto, Kopien, etc.) anfallen würden, blieben für einen „Solidaritätsfond“ EUR 13.500. Ich kenne mich in Sachen „Kosten für Rechtstreitigkeiten“ überhaupt nicht aus; aus dem Bauch heraus bezweifle ich aber, dass man mit dieser Summe „im Ernstfall“ (oder gar bei mehreren Ernstfällen) allzu weit kommt – ein Rechtsschutztopf wäre also keine Lösung.

Hinzu kommt, dass vermutlich bei einem regulären Anbieter keine Rechtschutzversicherung für Blogger zu bekommen sein wird. Sven Dietrich hat bereits vor drei Jahren diverse Anfragen gestartet (siehe auch www.pop64.de/blog) – sein Fazit damals:

Es gibt keinen Versicherungsschutz im Falle einer Abmahnung.

Und ich glaube nicht, dass sich die Sicht der Versicherungsanbieter zwischenzeitlich geändert hat. Natürlich könnte eine – möglicherweise sogar DIE zentrale – Aufgabe eines solchen Bloggerverbandes darin bestehen, hier eine Veränderung zu bewirken – zumindest theoretisch. Der Teufel dürfte hier aber im Detail – konkret in den Versicherungsbedingungen – stecken.

Sorgfaltspflichten
Ich glaube nämlich nicht, dass eine derartige Versicherung bei den „üblichen“ Abmahnungsfällen (z.B. wegen irgendwelcher Kochbuch-Fotos) greifen würde. Denn auch Versicherungen sind nicht dumm. Als erstes würden sie den Versicherten umgehend gewisse Sorgfaltspflichten auferlegen. Denkbar wären hier z.B. vorab zu prüfende Urheber- und Markenrechtsaspekte und auch die Einhaltung anderer Rechtsnormen (z.B. Persönlichkeitsrechte, Impressumspflicht) dürfte hier schnell Vertragsbestandteil werden. Abmahnungen, die durch eine zu flüchtige, nachlässige oder zumindest fahrlässige Vorabprüfung „verschuldet“ wurden, wären somit sicherlich nicht abgedeckt.

Noch problematischer wäre die Abdeckung von Fällen wie der aktuellen Abmahnung der Deutschen Bahn AG gegen Markus Beckedahl. Ich finde es zwar gut, wichtig und sehr mutig, das Markus dieses Dokument veröffentlicht hat. Ich glaube aber nicht, dass die Veröffentlichung eines internen Aktenvermerks irgendwie mit den zu erwartenden Sorgfaltspflichten einer solchen Versicherung in Einklang zu bringen wäre – vor allem wenn man mal kurzfristig annimmt, das die Abmahnung zumindest teilweise berechtigt sein könnte (siehe hierzu auch die Einschätzung von Carsten Ulbricht unter www.rechtzweinull.de).

Selbst wenn man nun vom weitergefassten (und oben nahezu ausgeschlossenen) Ansatz des „Rechtschutzes“ wieder auf den ursprünglichen Gedanken des „Rechtsbeistandes“ zurückkehrt,
fliegt auch dieser Punkt leider von der Liste. Sehr schön hat das Mike Schnoor unter www.sichelputzer.de begründet:

Ich werde abgemahnt. Ich rufe an um 23 Uhr. Hotline mit Pay-via-Mitgliedsbeitrag. Was ist hier besser? Der professionelle Anwalt für Rechtsfragen, oder doch die Mitgliederhotline “Pro Blogger”? Ich gestehe, dass der professionelle Rat eines Medienexperten oder aversierten Lawbloggers wesentlich wertvoller ist. Würden durch die Mitgliedschaft im “Bloggerverband” die Gerichtskosten vom Verband übernommen werden?

Fazit
Es kann sicherlich nicht schaden, einige Grundregeln bzw. Merksätze zusammenzutragen, die ein Blogger beherzigen sollte. Möglicherweise könnte genau das auch das zentrale Ziel einer Interessengemeinschaft (oder Arbeitsgemeinschaft) sein. Und diejenigen Ressourcen, die man sonst für Formalia wie Vereinsgründung, etc., brauchen würde, wären vermutlich in einem solchen „Bloggertipps-Projekt“ besser aufgehoben.

Oder man könnte einen Teil der Energie auch in eine Petition packen, wie sie Frank Hamm unter „Pressefreiheit und Medienfreiheit: Petition an den Bundestag zur Grundgesetzänderung“ gestartet hat.

Beide Wege scheinen mir sinnvoller zu sein, als hier akute Vereinsmeierei ausbrechen zu lassen… 👿

Mahn ab, Bahn…

von Stefan Evertz am 04.02.09 um 7:45 Uhr | 1 Antwort

Diana visits a steam engine in Hesston, Indiana.
Lizenz: Creative Commons License Photo: kevindooley
…auch wenn du damit vermutlich die aktuelle PR-Krise nur noch verschlimmerst und zusätzlich noch lernen wirst, was man unter dem Streisand-Effekt versteht.

Was war passiert?
Markus Beckedahl veröffentlicht am 31. Januar 2009 unter netzpolitik.org[1] das – scheinbar in vielen Medien zitierte – Memo des Berliner Datenschutzbeauftragten vom 28. Oktober 2008 (über ein Gespräch mit der Deutschen Bahn AG über die Geschäftsbeziehungen zur Network Deutschland GmbH) im Volltext sowie als PDF-Datei.

Die Abmahnung
Gestern (3. Februar) erhält Markus Beckedahl dann per E-Mail eine Abmahnung (siehe auch netzpolitik.org[2], in der er u.a. aufgefordert wird, „den Gesprächsvermerk im Wortlaut und als pdf-Datei sofort von Ihrer Homepage zu entfernen“.

Ich kann nicht beurteilen, ob die Veröffentlichung „illegal“ bzw. wirklich „abmahnfähig“ ist – als Laie habe ich da allerdings weitreichende Zweifel, die ich unter www.internet-law.de bestätigt finde. Darüber hinaus stellt sich mir die Frage, ob die Bahn überhaupt berechtigt ist, die Veröffentlichung eines Textes abzumahnen, der offensichtlich von einer dritten Partei erstellt wurde. Und ganz nebenbei scheint sich meines Erachtens durch den Unterdrückungsversuch des Aktenvermerks auch noch endgültig die „Echtheit“ des Textes zu bestätigen.

Das Netz reagiert
Neben dem vorgenannten Blogeintrag twittert Markus um 15:04 Uhr über die Abmahnung:

Brauche HIlfe: Deutsche Bahn AG schickt mir Abmahnung

Sein Tweet wird vielfach „retweetet“, d.h. von anderen Twitterern quasi wiederholt, und somit schnell weiterverbreitet. Innerhalb von 40 Minuten wird der in seinem Tweet angegebene Link über 1.500mal angeklickt (siehe auch http://bit.ly/info/yKBM; aktueller Stand: fast 4.500 Klicks). Weiterhin verlinken immer mehr Blogs auf den Artikel (siehe auch rivva.de; aktuell 77 verlinkende Blogs). Einen eindrucksvollen Überblick über die Reaktionen zeigt übrigens ein Screenshot unter twitpic.com .

Etwa eine Stunde nach der Veröffentlichung schwappt die „Medienwelle“ auch in die ersten Online-Auftritte der „normalen“ Medien und verbreitet sich seitdem stetig weiter (siehe z.B. Golem, heise und Focus). Einen (ersten) Pressespiegel hat Markus unter netzpolitik.org[3] zusammengestellt – und bedankt sich dort auch für das umfangreiche Feedback und die zahlreichen Hilfs- und Unterstützungsangebote.

Was bleibt?

  • Die Erkenntnis, dass die Bahn dieses „Scharmützel“ wohl nicht gewinnen kann – und auch verlieren wird (siehe auch DB ist der neue DFB)
  • Die Beobachtung, dass sich – auch dank Diensten wie Twitter – die Verbreitungsgeschwindigkeit von Informationen noch weiter erhöht hat. Während es vor drei Jahren noch fast 1 Woche dauerte, bis die Querelen zwischen (dem damaligen Werbeblogger) Patrick Breitenbach und Heidi Klum in Spiegel Online auftauchte (siehe auch „Nächste Stufe der Sylvester-Rakete(n) abgeschossen (Update)“ und „Nächste Stufe der Sylvester-Rakete(n) abgeschossen (Update) Teil 2„), dauerte es diesmal nur noch etwa 4 Stunden, bis man über die Abmahnung unter www.spiegel.de lesen kann.
  • Die Hoffnung, dass Markus Beckedahl aus dem zu begrüßenden Versuch, die Probleme der Bahn in Sachen Datenschutz durch Transparenz (und Veröffentlichung) zu verdeutlichen, keine weiteren Probleme oder gar aufwändige Rechtsstreitigkeiten entstehen- auch wenn ihm vermutlich eine weitreichende moralische und wirtschaftliche Unterstützung sicher sein dürfte.