Schlagwort-Archiv: reisen

TV-Tipp: Leben in Hurghada

von Stefan Evertz am 20.04.07 um 12:00 Uhr | 1 Antwort

Ein (Tauch-)Urlaub im ägyptischen Hurghada ist nicht vollständig ohne einen Besuch im Restaurant „Villa Kunterbunt“ (www.bordiehn.com) und dem legendären „Kamelsauerbraten mit Spätzle“. Sehr erfreut habe ich daher die Ankündigung einer Folge der gerade so modernen „Auswanderer-Doku-Soaps“ wahrgenommen, die die Betreiber vorstellt (siehe www.kabeleins.de):

Eine Blondine allein unter Scheichs, drei Hessen ohne Plan am Roten Meer und eine Bilderbuchfamilie im Gastronomenstress. Deutsche Auswanderer-Träume wie aus 1001 Nacht – verwirklicht in Dubai und Ägypten, zwischen Touristenmeile und Luxusmetropole.
Die nächste Folge von „Mein neues Leben XXL“ steht ganz im Zeichen von Auswanderern in den Orient.
[…]
Vor 15 Jahren hat Sterne-Koch Thomas Bordiehn (40) das Angebot bekommen, in Hurghada sein kulinarisches Wissen an ägyptische Gastronomen weiterzugeben. Mit Ehefrau Barbara (40) hat er damals seine Existenz in Deutschland aufgegeben und am Roten Meer noch einmal neu angefangen.

Mittlerweile haben die beiden zwei Kinder – Sophie (11) und Lorenz (8). Alle vier sprechen fließend Arabisch. Aus den Deutschen sind trotz blonder Haare und blassem Teint halbe Ägypter geworden. Auch finanziell steht die Familie auf sicheren Beinen: Sie haben zwei eigene Restaurants in der Hafenstadt – eins mit ägyptisch-deutscher Küche. Gerade sind sie dabei das dritte Restaurant aufzubauen.

Der Kommentar von Thomas macht ebenfalls neugierig auf die Reportage (siehe www.bordiehn.com[2]):

Ich gehe mal davon aus, dass die Blondine in Dubai wohnt. Da wir nicht aus Hessen kommen bleibt für uns nur die Bilderbuchfamilie. Das mit dem Gastronomiestress mag wohl stimmen, aber „Bilderbuchfamilie“? Wie man es nimmt! Auch die Simpsons oder die Adams Family gibt es als Bilderbuch. Bisher wissen wir nicht was von den Aufnahmen gesendet wird. Auf jeden Fall möchten wir uns bei allen entschuldigen die nicht erwähnt werden. Und erst recht bei denen die erwähnt werden. Regisseurin, Kameramann und Soundtechniker soll es wieder sehr gut gehen. Für Wonka haben wir eine Hundeseelsorge beauftragt.

Gesendet wird das ganze am Sonntag, 22. April um 20:15 Uhr bei „kabel eins“. Viel Spaß beim medialen Abstecher nach Hurghada 😉

Ferienparks in Holland

von Stefan Evertz am 18.02.07 um 0:12 Uhr | Schreibe eine Antwort

Seit dem letzten Sommer betrifft der Problemfeld „Urlaub mit Kind“ ja nun auch uns (siehe auch „Räumungsklage durch Auszug verhindert„). Was sollte also näher liegen als die Angebote der holländischen Nachbarn ins Auge zu fassen – schließlich gibt es rund um Rhein und Ruhr nicht wenige Mitmenschen, die die Niederlande als das Naherholungsgebiet des Ruhrgebiets ansehen (und dass nicht nur an den Feiertagen).

Nachdem ich mich nun einige Zeit durch die diversen Suchtreffer gewühlt habe, bin ich bisher – ergänzt durch persönliche Tipps – auf die folgenden vier Anbieter bzw. „Ketten“ gestossen, die Ferienhäuser bzw. Bungalows im Rahmen von „Ferienparks“ betreiben. Vielleicht hilft die folgende Liste ja dem einen oder anderen 🙄

  • CenterParcs (www.centerparcs.com)
    Der „gefühlte“ teuerste Anbieter betreibt zur Zeit 8 Ferienparks in Holland und stellt als einer von zwei Anbietern den Katalog auch online bereit – wenn auch als überladene Flash-Anwendung 🙁
  • Landal Green Parks (www.landal.de)
    Die Preise für die 43 holländischen Ferienparks von Landal scheinen mir etwas günstiger als bei CenterParcs.
  • RP Holidays (vormals „Roompot Vakanties“, www.rpholidays.de)
    Der Anbieter betreibt 69 Bungalowparks und Campingplätze und dürfte preislich – vor allem in den Euroasen Parks – noch etwas moderater eingestuft werden als die vorgenannten Betreiber. Der Katalog wird dort übrigens „Magazin“ genannt; darauf muss man auch erst mal kommen… Es gibt auch eine flashbasierte Online-Fassung des Katalogs, die ungefähr genauso viel bietet wie eine PDF-Datei 😕
  • Hogenboom Ferienparks (www.hogenboomvakantieparken.nl)
    Auf diesen Anbieter bin ich gerade erst gestossen; wenn ich richtig gezählt habe, sind 60 Ferienparks buchbar. Eine Preiseinschätzung verschiebe ich mal, bis der Katalog da ist…

Insgesamt sind die genannten Websites – mehr oder weniger – in Deutsch verfügbar; vor allem bei den Hogenboom Ferienparks könnte noch an mehreren Stellen nachgebessert werden (Was z.B. sind „Akkomodationen“ oder „Faciliteiten“?). Bei allen Anbietern kann kostenlos ein Katalog bestellt werden, der dann nach einigen Tagen oder Wochen (CenterParcs) eintrudelt. Die vorgenannten „Preiswahrnehmungen“ basieren auf Stichproben, wobei bei der Preisgestaltung sicherlich auch die z.T. stark abweichende Ausstattung sowie das im jeweiligen Park verfügbare Freizeitangebot eine Rolle spielen dürften. Eine PDF-Version des Katalogs gab es nirgendwo.

Soviel also zu den bisherigen Funden – wenn jemand noch andere niederländische Ferienpark-Anbieter kennt, würde ich mich über einen Rückmeldung per Kommentar freuen.

Traumhaftes Blog-Szenario

von Stefan Evertz am 10.02.07 um 19:30 Uhr | 4 Antworten

Virtuelle Identitäten sind schon etwas Feines. Und so probierte ich letzten August neugierig www.meez.com (Java erforderlich, kein Opera) aus, mit dem man seinen eigenen „Meez“ (ein 3D-Selbstbild) erzeugen kann. Gefunden hatte ich es unter www.problogger.net und vergessen habe ich es ungefähr 3 Sekunden später – bis ich eben bei Mike unter www.sichelputzer.de erneut an meine Bemühungen erinnert wurde.

Deshalb habe ich nun aus der zwischenzeitlich gewachsenen Anzahl von Elementen mein persönliches Traum-Szenario für einen entspannten Tag im Blog zusammengesetzt:

Und die paar Tage bis zum Ende des Winters schaffe ich jetzt auch noch…

Eine kleine Bitte zum Schluss:
Wer sich bei meez anmeldet und bei „Did someone refer you to Meez?“ meinen Benutzernamen (hirnrinde) eingibt, verschafft sich und mir 5 „Coinz“ (eine virtuelle Währung, mit der man zusätzliche Elemente einkaufen kann). Dann klappt es ja vielleicht doch noch mit meiner Unterwasserwelt 😕

Nach der Weihnachtspause

von Stefan Evertz am 07.01.07 um 9:52 Uhr | Schreibe eine Antwort

… sollte hier wohl wieder etwas mehr zu lesen sein – hoffe ich zumindest. Zum einen war mein „Blog-Faktor“ auch in den letzten zwei Wochen nicht hoch genug. Und zum anderen sollte man doch zumindest in der Nähe eines (internetfähigen) Computers sein, um sein Blog zu befüllen. Und diese Nähe habe ich dann auch weiträumig vermeiden können – egal wo ich mich gerade in diesem schönen (Bundes-)Land aufgehalten habe 🙄

Angesammelt haben sich jedenfalls genug Themen und Entwürfe. Wundert euch also nicht, wenn in den nächsten Wochen das eine oder andere „alte“ Thema hier endlich Erwähnung findet…

Und wer sich – wie ich gerade – mit dem Thema „Entsorgung des Weihnachtsbaums“ auseinandersetzt, dem sei nochmals meine (bzw. Evys) Anregung aus dem Vorjahr ans Herz gelegt: Knut: Patentrezept gegen Tannennadeln

Ich wünsche jeden

Solche Panzer braucht das Land

von Stefan Evertz am 12.11.06 um 10:03 Uhr | Schreibe eine Antwort

Nachdem das Wetter nun endgültig mit wehenden Haaren Richtung Winter steuert, nachfolgend ein kleines Unterwasser-Video einer durchaus kontaktfreudigen Schildkröte, das mich an den nächsten Aufenthalt im schönen (und warmen) Ägypten denken lässt – auch wenn das noch ein knappes Jahr dauern wird…

[flash]http://sevenload.de/videos/hlPT7tf[/flash]

(Fast) live aus Thailand

von Stefan Evertz am 20.09.06 um 9:40 Uhr | 1 Antwort

Nachdem gestern das Militär in Thailand den amtierenden Premierminister Thaksin Shinawatra per Putsch aus dem Amt gejagt hat (siehe z.B. www.tagesschau.de), frage sicher nicht nur ich mich, wie es dort wohl weitergehen wird. Eine Stärkung der Demokratie durch einen Militär-Putsch scheint mir eigentlich ein eher unorthodoxes Konzept zu sein, aber was weiß ich schon 🙄

Über gigold.de bin ich jedenfalls auf Patrick Kollitsch gestoßen, der in seinem Blog die.schreibbloga.de über die Situation vor Ort berichtet, wobei er sich nicht in der Hauptstadt Bangkok, sondern auf der Insel Ko Samui befindet (liegt meines Wissens etwa 500 km südlich). Zur Zeit schläft er allerdings (siehe auch die.schreibbloga.de[2]). Die Zeitangaben im Blog sind übrigens Ortszeit, d.h. unserer Zeit 5 Stunden voraus.

Zur Zeit scheint es vor Ort ruhig zu sein, was sicher auch die zahllosen Touristen vor Ort beruhigen dürfte; aktuelle Informationen zur Sicherheitslage gibt es unter www.auswaertiges-amt.de und auf den Seiten der Deutschen Botschaft in Bangkok unter www.bangkok.diplo.de.

Weitere interessante Informationen zu Thailand finden sich – wie so oft – unter de.wikipedia.org; ich konnte auf diesem Weg jedenfalls eine Wissenslücke zum Thema „Wahlpflicht“ schließen…

Pluto Ade: Neue Eselsbrücken gesucht

von Stefan Evertz am 25.08.06 um 12:03 Uhr | 6 Antworten

Zugegeben, die Frage nach der „Sortierung“ der Planeten unseres Sonnensystems stellt sich im Alltag eher selten. War es aber bisher soweit, half eigentlich immer die folgende Eselsbrücke:

Mein Vater Erklärt Mir Jeden Samstag Unsere Neun Planeten

Eine ebenfalls interessante, wenn auch wohl nicht mehrheitsfähige Variante fand ich dann noch bei de.wikipedia.org:

Mein Vetter Erich muss jeden Samstag unser Nilpferd putzen

Und dann musste ich gestern bei www.heise.de von einer umwälzenden Änderung lesen:

Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat auf ihrer Konferenz in Prag den Antrag abgelehnt, die Zahl der Planeten auf zwölf aufzustocken. Noch dazu wurde entschieden, den 1930 entdeckten Pluto aus der Planetenreihe zu nehmen. An der elftägigen Konferenz nahmen 2500 Experten aus 75 Ländern teil.

Was nun? Welcher Merksatz hilft meinem Gedächtnis künftig auf die Sprünge, wenn wieder mal in der Kaffeepause astronomische Themen aufkommen?

Einen ersten Vorschlag fand ich dann bei de.wikipedia.org[2]:

Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel.“
Dabei gibt acht in Nachthimmel die Anzahl der Planeten an.

OK, funktioniert – und die versteckte Zahl der Planeten hat durchaus Charme. Aber geht das nicht noch besser?

  • Passend zum Sommer (dem im Juli):

    Mit vielen Eisbechern macht Jan seinen Urlaub nett

  • Das Thema „Nachwuchs“ könnte man auch berücksichtigen:

    Macht Vielleicht Ein Moderner Junge Sonntags Unseren Nachtisch?

  • Und auch zum Thema „Cold Calls“ wäre eine Variante denkbar:

    Mancher Vertreter Erklärt Mir Jedesmal Seinen Unsinn Neu

Mir scheint, dass hier noch mehr Kreativität gefragt ist. Insofern lade ich euch herzlich ein, weitere Alternativen in den Kommentaren zu ergänzen. Als Arbeitshilfe kann das folgende Buchstabengerüst eingesetzt werden:

M V E M J S U N

Eine Frage stellt sich mir allerdings doch noch zum Schluß – und die Antwort könnte auch für die katholische Kirche interessant sein: Hätte man in Prag auch feststellen beschließen können, dass die Erde eine Scheibe ist?

TV-Tipp: Berliner Bunker

von Stefan Evertz am 03.08.06 um 8:08 Uhr | Schreibe eine Antwort

Wir hatten ja im November 2005 bereits Gelegenheit, uns mit dem unterirdischen Berlin zu beschäftigen – und zwar im Rahmen des Seminars „Reichshauptstadt Germania“ des Vereins „Berliner Unterwelten“ (www.berliner-unterwelten.de). Damals konnten wir auch insgesamt drei verschiedene „Bunker“ bzw. Luftschutzanlagen besichtigen.

Vor einigen Tagen bin ich nun bei arte über eine Dokumentation gestolpert: Bunker – Die letzten Tage (german.imdb.com)

Auch wenn ich bisher nur Teile gesehen habe, scheint mir der Dokumentarfilm (Länge: 83 min.) wirklich sehenswert zu sein. Zum Inhalt schreibt man bei www.arte.tv:

In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges war das Berliner Bunkerlabyrinth Schauplatz eines dramatischen Überlebenskampfes. Von den mehr als 1.000 Schutzanlagen ist heute nur noch ein Bruchteil vorhanden. Die Filmemacher Martina Reuter und Gavin Hodge haben sich gemeinsam mit dem Kameramann Frieder Salm in der Berliner Unterwelt umgesehen und faszinierendes Filmmaterial zu Tage gefördert. Darunter beeindruckende Unterwasseraufnahmen im Adlonbunker sowie einzigartige Bilder des Speerbunkers vor seiner Sprengung 1996.

Der Film wird insgesamt noch zweimal ausgestrahlt:

  • Heute (03.08.06), 15:15 Uhr
  • 14.08.06, 1:30 Uhr (nach Videorekorder-Logik müsste das dann wohl der 15.08.06 sein…)

Falls es also heute nicht mit dem Ansehen klappen sollte, kann dann am 14. wenigstens der Videorekorder zusehen – und günstiger, als die DVD für aktuell EUR 17,99 bei www.amazon.de zu kaufen, ist es allemal 😉

Passend zum Thema gibt es heute übrigens unter dem Titel „BERLINER BUNKERTOUR – Ab in die Zwischenwelt“ einen ebenfalls lesenswerten Artikel unter www.spiegel.de.

Ich wünsche euch eine interessante Reise in die Vergangenheit 🙄

Reife Leistung, Deutschland

von Stefan Evertz am 05.07.06 um 9:56 Uhr | 3 Antworten

Irgendwie schmerzt sie immer noch ein wenig, die gestrige Niederlage im Halbfinale gegen Italien. Und nach dem Doppelschock in den letzten zwei Minuten des Spiels kann ich noch mehr mit den Australiern fühlen, die nach einem mehr oder weniger ausgeglichenen Spiel doch noch in letzter Minute gegen Italien verloren haben. Ohne jede Objektivität hätte ich mir den Einzug der Deutschen ins Finale gewünscht, aber die Italiener waren einfach besser, glücklicher oder was auch immer. Scheinbar ist ein Deutscher Papst, aber sein Vorgesetzter ein Italiener 🙄

Aber das kann und soll die Leistung der deutschen Mannschaft nicht schmälern. Nach all den Jahren des „Stehfußballs“ und des häufig unansehnlichen Spielstils haben sie diesmal wirklich guten und „erfolgreichen“ Fußball gespielt.

Noch vor einem Monat hätten wohl nur ausgewachsene Optimisten ernsthaft auf den Einzug ins Achtel- oder Viertelfinale getippt. Und dann das: Angeführt von einem Schwaben, der wo scheinbar wirklich weiß, wie man aus einer Gruppe von Spielern mit sehr unterschiedlichen Charakteren und Erfahrungen eine kompakte und „reife“ Mannschaft formt, zieht sie ins Halbfinale ein und zählt somit aktuell zu den vier besten Mannschaften der Welt – und das z.B. vor England, Argentinien und Brasilien 😉

Insofern kann ich – wenn auch als ausgewiesener Laie – nur meinen Respekt und Glückwunsch zu dieser beeindruckenden Leistung aussprechen: Danke Jungs, ihr habt uns über drei Wochen lang träumen lassen. Und schließlich ist es nicht mehr lange hin bis zur EM 2008 😈

Fast noch bemerkenswerter finde ich aber die „gefühlte“ atmosphärische Veränderung in diesem Land, die offenbar durch die WM und irgendwie auch durch unsere Mannschaft sichtbar geworden ist.

Ich muß gestehen, dass ich nie gedacht hätte, mal eine Fahne zu kaufen, geschweige denn, sie in den Schirmständer, an unser Auto oder in unser Blog zu packen. Aber scheinbar war diese Veranstaltung ein „Katalysator“, um endlich den Ballast der Vergangenheit abzuwerfen und endlich entspannt mit den eigenen Symbolen umzugehen. Ich schrecke in diesem Zusammenhang zwar etwas vor dem Wort „Nationalstolz“ zurück, über das ich im (ansonsten wirklich lesenswerten) Artikel von Robert unter www.basicthinking.de/blog gestolpert bin (ebenfalls lesenswerte „Gegenrede“ bei www.silkester.de/blog). Denn hier klingt – zumindest in meinem Kopf – immer noch ein wenig der alte Chauvinismus mit, eine Nation sei besser als die andere. Und das war – bei allen „Vorurteilen“ über Wohnwagen, das Essen von Froschschenkeln oder der Umgang mit gestohlenen Autos – immer der falsche Denkansatz und ist erfreulicherweise auf einem mehr als absteigenden Ast.

Dennoch spielt hier möglicherweise der Begriff „Stolz“ eine wichtige Rolle, wenn auch in einem anderen Sinne. Noch heute erinnere ich mich an ein Zitat aus einer Rede von Maggie Thatcher (in den 80ern vermute ich): „Proud to be british“. Ich weiß, dass ich als Deutscher einen ähnlichen „deutschen“ Satz selbst in den 90ern nicht über die Lippe gebracht hätte – zu sehr hätte das für mich im Widerspruch mit dem dunklen Kapitel des Dritten Reichs gestanden.

Ich erinnere mich aber auch, dass ich diese Einschränkung stets bedauert habe, denn ich fand schon immer, dass man stolz sein kann, Bürger und somit Teil eines Landes zu sein, das wirklich demokratisch ist, das so „gleichberechtigt“ ist, dass mittlerweile sogar ein weiblicher Regierungschef möglich ist, in dem es ein nach wie vor ein funktionierendes soziales Netz gib und in dem es nicht nur verbriefte Grundrechte gibt, sondern auch ein funktionierendes Modell der Gewaltenteilung, dass zur Einhaltung dieser Grundrechte beiträgt – alles Aspekte unseres Lebens, die nichts mehr mit der Bürde der Vergangenheit zu tun haben. Und bevor hier nun die kritischen Kommentare aufschlagen („Was z.B. ist denn mit Hartz IV“, etc.), sollte man nicht vergessen, dass die Rahmen- und Lebensbedingungen, die wir hier in Deutschland vorfinden, viele Stockwerke über den Möglichkeiten angesiedelt sind, die Bürger anderer Länder haben – und das nicht nur in Ländern der dritten Welt.

Mir scheint jedenfalls die Zeit reif zu sein, um ohne irgendwelche politischen, rassistischen oder nationalistischen Hintergrund sagen zu können: „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ – oder eben „Proud to be german“. Und die Tatsache, dass diese WM zu einem wahren „Fest der Völker“ ohne den ausgesprochen schalen Beigeschmack der Filme von Leni Riefenstahl geworden ist, bei der sogar ein im Vorfeld schwerbelastetes Halbfinal-Spiel gegen Italien ohne nennenswerte Konflikte auf oder neben dem Platz möglich war, bestärkt mich in diesem Gedanken. Ich freue mich jedenfalls, dass ich um mich herum immer noch genau so viele Fahnen sehe wie gestern nachmittag – und hoffe, dass es bis zum Finale so bleibt.

Und nun sollten wir – trotz oder gerade wegen allem – die Italiener im Finale anfeuern. Denn schließlich können wir eigentlich nur vom künftigen Weltmeister besiegt worden sein 😉

Nachtrag 07.07.06, 09:45 Uhr:
Über Robert (www.basicthinking.de/blog[2]) bin ich noch auf einen empfehlenswerten Artikel über „die Sache mit dem Nationalstolz“ gestossen, in dem vielleicht noch etwas deutlicher wird, warum und auf was „wir“ stolz sein könnten (siehe auch www.endl.de):

Ich will hier keinen neuen Nationalismus, ich will eine differenzierte Sichtweise darauf, dass Zugehörigkeitsgefühl und ein daraus abgeleiteter “Stolz” nicht nur Schattenseiten sondern auch viel Positives hat. Es ist schwierig, den Stolz zu kanalisieren, so zu kanalisieren, dass keiner der oben beschriebenen negativen Effekte entwickelt wird (”sich überheben”) – aber das sollte ja nicht entmutigen, nur weil es schwer ist.

Don’t Cry, Argentina

von Stefan Evertz am 02.07.06 um 9:46 Uhr | 1 Antwort

Aus deutscher Sicht war es knapp, aber erfolgreich: Das Viertelfinal-Spiel gegen Argentinien.

Und nachdem bei mir Puls und Blutdruck wieder das normale Niveau erreicht haben, ist es nun Zeit für einige Fundstellen zum Thema 😉

Bei www.wm-blogger.de bin ich auf eine Fassung des überall kursierenden Autobahnschildes gestossen (siehe z.B. www.wm-blogger.de[2]), die der aktuellen Situation auf dem deutschen Weg ins Finale gerecht wird:

Der deutsche Weg ins Finale

Natürlich gibt es bei delta radio wieder einen Song von Kaya zur Verabschiedung der Gauchos:

https://hirnrinde.de/media/mp3/argentinien.mp3

Mit freundlicher Genehmigung von delta radio (www.deltaradio.de); mehr von Kayas WM-Songs und andere Spots gibt es – zum Teil auch zum Herunterladen – unter www.deltaradio.de[2].

Bei delta radio scheinen sich die Anfragen im Hinblick auf die WM-Songs von Kaya zu häufen, da mittlerweile unter www.deltaradio.de[2] zu lesen ist:

Wenn du einen dieser Songs öffentlich spielst, freuen wir uns über eine Nennung von delta radio und der Angabe der Quelle deltaradio.de … außerdem wäre ein kleine Info an uns auch sehr nett. Vielen Dank …

Ein anderes schönes Abschiedslied, das aber auf „American Pie“ statt auf „Don’t cry for me, Argentina“ aufbaut, findet sich übrigens bei vowe.net.

Und während am Freitag knapp 25 Millionen Zuschauer (Marktanteil 86%, siehe auch www.dwdl.de) das dramatische Spiel und den unsäglichen Kommentar von Reinhold Beckmann ertrugen, hielt sich das Kommunikationsbedürfnis bei anderen Kanälen offenbar stark in Grenzen, wie die folgende Grafik der in das entsprechende Land getätigten SkypeOut-Anrufe zeigt (siehe auch share.skype.com):

Skype-Nutzung während des Viertelfinal-Spiels