Archiv des Autors: Stefan Evertz

Binde mir den Senkel!

von Stefan Evertz am 18.08.06 um 9:35 Uhr | 6 Antworten

Ganz neu ist es wohl nicht, aber dennoch sehr überzeugend: Die Schnellbindemethode für Schnürsenkel:

[flash]http://www.youtube.com/watch?v=0mA_A8tAZ6E[/flash]

Ich muss allerdings gestehen, dass ich es nicht hinbekommen habe. Und daran konnte leider auch die etwas langsamere Demonstration des Erfinders (?) Sherng-Lee Huang im Video bei www.rocketboom.com (englisch) nichts ändern 🙁

Immerhin könnte man so laut Sherng-Lee etwa 2 Sekunden pro Schuhpaar sparen. Wenn ich das mal so überschlage (2 Sekunden x 2x pro Tag x 365 Tage x 60 Jahre), komme ich auf einen ganzen Tag (87.600 Sekunden), den man so im Laufe eines Lebens „spart“. Da könnte sich jedenfalls ein gewisser Trainingsaufwand lohnen. Und Joanne Colan (die neue Moderatorin) hat es schließlich auch hinbekommen 😉

Und wer nun noch weitere Anregungen zum Thema „Schnürsenkel“ sucht, findet sie vielleicht in „Ian’s Shoelace Site“, z.B. in den „17 verschiedenen Arten, einen Schuh zuzubinden“ unter www.fieggen.com/shoelace (englisch; via www.basicthinking.de/blog).

Für alle Fälle wünsche ich schon mal ein knüpfendes Wochenende…

Rechtsfragen 4: Was ist jetzt mit VirtualDub?

von Stefan Evertz am 18.08.06 um 9:09 Uhr | 4 Antworten

Gestern mittag stutzte ich bei einer Meldung auf www.golem.de:

Ein offenbar nach weiteren Einnahmequellen suchender deutscher Webdesigner mahnt gerade aus Tschechien Webseiten-Betreiber ab, welche die etwa seit dem Jahr 2000 bekannte freie Video-Editing-Anwendung VirtualDub verlinken bzw. nennen. Auffällig ist dabei der geringe geforderte Schadensersatz, dass das Schreiben nicht von einem Anwalt kommt und die Wortmarke erst seit Ende Mai 2006 angemeldet ist.

Ein Beispiel der Abmahnung findet sich übrigens unter www.computerbase.de.

Irgendwie fühlte ich mich da ein wenig an die rechtlichen Querelen rund um die umstrittene Wortmarke „Explorer“ erinnert, die stets zu Ungunsten des damaligen „Markeninhabers“ verliefen (siehe z.B. www.heise.de im Jahr 2000):

Die Firma Symicron hat erneut einen Prozess um die Benutzung des Namens „Explorer“ verloren. Symicron hatte den Berliner Provider Speedlink abgemahnt, weil dieser auf seinen Webseiten einen Link zu dem Programm „FTP-Explorer“ anbot. Das Landgericht Berlin sah darin keine Verletzung der „Explorer“-Wortmarke von Symicron.

Eine durchaus sinnvoll klingende Empfehlung zum weiteren Vorgehen fand ich dann unter www.mein-parteibuch.de:

Im Gegensatz zu Golem empfehle ich jedoch nicht unbedingt die Einschaltung eines Anwaltes zur Abwehr der Forderung. Wenn Herr Kliemen nämlich leider nicht zum Ersatz der Kosten in der Lage sein sollte, dann bleiben die Empfänger des Briefes auf den Kosten für den Anwalt sitzen und haben erst durch die Beauftragung des Anwaltes einen tatsächlichen finanziellen Schaden. Ein freundliches Schreiben an Herrn Kliemen, dass man nicht gedenkt, sich abzocken zu lassen, und nun auf eine Entschuldigung von Herrn Kliemen wartet und Wiedergutmachung für den Ärger verlangt, dürfte meines Erachtens vollkommend ausreichend sein, um den Anspruch abzuwehren.

Einige Stunden später kam dann über www.golem.de[2] die „Entwarnung“ auf Basis einer Einschätzung zweier Berliner Rechtsanwälte:

Denn „VirtualDub“ ist ein seit Jahren bekanntes freies Programm zum Aufnehmen und Bearbeiten von Videos. Spätestens seit der „PowerPoint“-Entscheidung des Bundesgerichtshofes vom 24. April 1997 stehe fest, dass Computerprogramme dem Werktitelschutz unterliegen. Das bedeute, dass der Titel eines Computerprogrammes als solcher (ohne weitere Eintragung) einen Titelschutz genießt.
[…]
„So wird Herr Kliemen seinen Kuraufenthalt in Karlsbad wohl selbst bezahlen müssen und nicht die Fangemeinde der freien Videobearbeitungssoftware“, so die Anwälte. „Als Tipp für diese(!) Abmahnung kann nur geraten werden, die Unterlassungserklärung nicht zu unterzeichnen und Herrn Kliemen die Freiheit zu lassen, sein vermeintliches Recht gerichtlich durchzusetzen. Sollte allerdings eine einstweilige Verfügung gegen einen Seitenbetreiber ergehen, ist auf jeden Fall dagegen vorzugehen, unter den oben genannten Bedingungen dürfte dies erfolgreich sein.“

Gestern abend war dann aber unter www.lawblog.de eine etwas andere Einschätzung von Dominik Boecker zu lesen:

Die Konstellation ist also für die Betroffenen leider nicht so einfach und so risikolos, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Gerichte sind an die Markeneintragung auch im Falle einer bösgläubigen Eintragung gebunden. Man erinnere sich nur an die diversen “Explorer”-Verfahren, die viele Leute eine Stange Geld gekostet haben. Ich kann mir auch jetzt (bedauerlicherweise) vorstellen, dass Virtualdub eine Menge Geld von Personen kosten wird, die lediglich die Homepage von Avery Lee verlinkt haben. So einfach kann also nicht Entwarnung gegeben werden.

Zum einen scheint sich wieder mal die alte Weisheit zu bestätigen: Frage zwei „Experten“ und du bekommst zwei Meinungen 🙁

Und zum anderen frage ich mich natürlich: Welche Einschätzung stimmt denn nun?

Ich hoffe jedenfalls, dass die von Golem verbreitete Einschätzung die „richtige“ ist – und das nicht nur im Interesse der abgemahnten Webseitenbetreiber…:evil:

Nachtrag 22.08.06, 23:30 Uhr:
Nachzutragen ist noch eine weitere Einschätzung, die am 18.08.06 bei www.heise.de zu lesen war:

Der auf Markenrecht spezialisierte Rechtsanwalt Martin Jaschinski aus der Berliner Kanzlei JBB Rechtsanwälte sagte auf Anfrage von heise online, es spreche einiges dafür, dass es sich hier um eine so genannte „böswillige Markenanmeldung“ handle. Deshalb könne jedermann mit Aussicht auf Erfolg beim DPMA einen Antrag auf Löschung der Wortmarke aus dem DPMA-Register stellen. Zudem genieße der Hersteller der Software „Virtual Dub“ aller Voraussicht nach für den Softwarenamen auch in Deutschland einen so genannten „Werktitelschutz“, der älter und damit höher priorisiert sei. Treffe dies zu, sei eine vom Hersteller gewollte Verlinkung auf dessen Website unproblematisch.

„Die Empfänger von solchen Abmahnungen sollten sich entspannt zurücklehnen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass der Markeninhaber in dem einen oder anderen Fall zunächst eine einstweilige Verfügung erwirkt. Falls er auf Widerstand trifft, wird er aber auf Dauer mit seiner Masche höchstwahrscheinlich keinen Erfolg haben. Wer lieber aktiv werden will, kann auch mit Gegenabmahnung und Androhung einer negativen Feststellungsklage reagieren“, erläuterte Jaschinski. Völlig unklar sei auch, welcher Schaden durch die Verlinkung der Virtual-Dub-Homepage entstanden sein könne. Aus der Abmahnung gehe das nicht hervor. Vielmehr wirke der geltend gemachte Schaden als völlig „aus der Luft gegriffen“.

Ansonsten hat Dominic Boecker (Autor des oben zitierten Artikels im lawblog) per Kommentar verdeutlicht, dass seine Überlegungen „auch kein Grund zur zu großen Sorge“ sein sollten.

Ich habe da jedenfalls weiterhin „Restzweifel“ und hoffe jetzt einfach mal, dass diese Posse in Kürze mit einem „Hat sich erledigt!“ abgeschlossen werden kann.

8 Ausreden für Contentklau

von Stefan Evertz am 18.08.06 um 7:43 Uhr | 1 Antwort

Darren Rowse hat unter www.problogger.net die acht häufigsten Ausreden von Bloggern zusammengetragen, die seine Artikel ohne Erlaubnis (und in aller Regel ohne Quellenangabe) wiederveröffentlicht haben. Die folgenden drei haben mir besonders gut gefallen:

  • „I just couldn’t resist – it was too tempting.“
  • „Sorry, my Son was playing with my blog and did it without me knowing.“
  • „I was just doing it to see how long it would take you to realize I was doing it.“

Zitate: Benutzerfreundlichkeit von Computer und Telefon

von Stefan Evertz am 17.08.06 um 9:19 Uhr | Schreibe eine Antwort

Das folgende Zitat geistert seit diversen Jahren in meinem Kopf herum und beschreibt ziemlich treffend die – bisher unerfüllte – Wunschvorstellung eines benutzerfreundlichen Computers:

Ein Computer sollte so einfach zu benutzen sein wie ein Telefon: Man nimmt den Hörer ab und ist „online“.

(Die Quelle ist mir leider nicht bekannt, wobei es möglicherweise von Scott McNealy stammen könnte, dem ehemaligen CEO von SUN; über Hinweise per Kommentar würde ich mich sehr freuen)

Dass man es auch genau andersherum sehen kann, zeigt ein Zitat unter www.onlinekosten.de, auf das ich bei www.basicthinking.de/blog gestossen bin:

„Ich habe immer den Traum gehabt, dass ein Computer so einfach zu benutzen ist wie ein Telefon“, sagt Bjarne Stroustrup, Erfinder der Programmiersprache C++. „Heute ist mein Traum wahr geworden: Ich verstehe nicht mehr, wie ich mein Telefon benutzen kann.“

Bei diesem Ausspruch muss er eines der modernen Handies im Sinn gehabt haben, auch wenn das Zitat laut de.wikiquote.org schon von 1990 stammt… 🙄

Kornkreisender Firefox

von Stefan Evertz am 16.08.06 um 9:41 Uhr | 1 Antwort

Logo Firefox Waren es die Ausserirdischen, die die zunehmende Verbreitung des Browsers „Firefox“ feiern wollten? Oder waren es doch menschliche Füße, die den „Firefox“-Kornkreis mit einem Durchmesser von knapp 70 Metern irgendwo im US-Bundesstaat Oregon in ein Feld zauberten?

Firefox-Kornkreis

Unter lug.oregonstate.edu gibt es zwar einige Infos und Bilder zum „Circle“-Projekt, aber wer weiß, ob das Projekt nicht auch Teil einer Verschwörung ist, um die wahren Urheber der Kornkreise zu vertuschen 😉

(via blog.patrickkempf.de)

Google Analytics für alle

von Stefan Evertz am 16.08.06 um 9:00 Uhr | 2 Antworten

Das endlose Warten auf einen Zugang zum Besucherzähler von Google hat ein Ende, wie im offiziellen Blog zu „Google Analytics“ zu lesen ist (siehe auch analytics.blogspot.com):

I’m happy to tell you that we’ve just removed the wait to receive a Google Analytics account. Now anyone with a website can instantly create one for free by simply by visiting google.com/analytics or by clicking on the „Analytics“ tab within AdWords. After you create an account, we suggest reading the Installation Guide to get it set up quickly and correctly.

Der im November 2005 gestartete Dienst brach damals postwendend unter der Nachfrage zusammen (siehe auch „Google Analytics – Neuer Dienst zur Besucher-Analyse mit Startschwierigkeiten„), so dass sich neue Interessenten nur noch in eine Warteliste eintragen konnten. Dieser Zustand scheint nun ein Ende zu haben.

Wer also „Google Analytics“ zur „Messung“ der Besucher seines Blogs oder seiner Website nutzen will, kann sich unter www.google.com/analytics/ anmelden, wobei „wie immer“ Vorraussetzung für die Nutzung ein Googlemail-Account ist (und nein, ich habe keine Einladungen mehr übrig).

Über ein passendes Plugin für Google Desktop zur Anzeige der Besucherzahlen in Echtzeit bin ich dann noch unter blog.outer-court.com gestolpert: r2unit.org/desktop

Ich muss allerdings gestehen, dass ich Google Analytics hier im Blog im März 2006 abgeschaltet habe, da die Performance (zumindest damals) sehr unzuverlässig war (siehe auch „Machs besser, Google Analytics„). Angesichts der nun erfolgten Freigabe „für alle“ dürfte es nun wohl zu weiteren Engpässen kommen.

Eine ziemlich umfassende Übersicht an verfügbaren „Besucherzählern“ (mit zahlreichen interessanten Alternativen zum Google-Dienst) findet sich übrigens unter www.basicthinking.de/blog.

(via www.formsache-blog.de)

Nachtrag 17.08.06, 08:50 Uhr:
Das passiert auch eher selten: Während diverse Blogs das Thema schon gestern vormittag aufgegriffen haben, sind einige „klassische“ News-Dienste erst deutlich später darauf gestoßen (www.heise.de gestern um 16:52 Uhr, www.golem.de heute um 7:45 Uhr).

Nachtrag 18.08.06, 10:08 Uhr:
Eine etwas ausführlichere Beschreibung des erwähnten Plugins bzw „Gadgets“ für Google Desktop findet sich unter www.jmboard.com/gw.

Unser ist jetzt mein

von Stefan Evertz am 15.08.06 um 8:43 Uhr | Schreibe eine Antwort

Es kam ja bereits kurz im Zusammenhang mit dem „Kennenlern-Stöckchen“ auf: Meine Erkenntnis, dass sich das Blog seit mehreren Monaten zu einem „Monolog“ meinerseits entwickelt hat. Und Mr. T – unser Familienzuwachs – wird wohl künftig die wenigen verbleibenden Kapazitäten von Evy binden.

Daher haben wir nun gemeinsam beschlossen, dass das hier ab sofort nur noch „mein“ Blog ist. Weitere Beiträge von Evy sind natürlich weiterhin möglich, da sie die entsprechenden „Rechte“ behalten hat.

Konsequenterweise wurden jedenfalls mittlerweile alle entsprechenden Hinweise hier im Blog angepasst und auch der ursprüngliche Untertitel „was in unseren Köpfen herumspukt“ ist dabei verschwunden – auch wenn er inhaltlich weiterhin das Leitmotiv darstellt 😉

Zugriffe Juni 2006

von Stefan Evertz am 14.08.06 um 8:29 Uhr | 2 Antworten

Eckdaten (ermittelt mit counter.blogscout.de):
Zeitraum: 01.06. – 30.06.2006
Besucher (Visits / „V“): 21.115
Seitenabrufe (Impressions / „I“): 35.622
Seitenabrufe / Besucher: 1,69
Ruhigster Tag: 10.06.06 (V: 326 / I: 549)
Wildester Tag: 14.06.06 (V: 1.192 / I: 2.169)
Tagesdurchschnitt: V: 704 / I: 1.187
Datentransfer: 4.200 MB
Anzahl Beiträge: 49 (Siehe auch Juni 2006)

Statistik Juni 2006
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Huhn oder Ei: Schily berät Biometrie-Firmen

von Stefan Evertz am 11.08.06 um 7:19 Uhr | Schreibe eine Antwort

Es gibt immer wieder Fälle, bei denen „Staatsdiener“ ihre Kontakte und ihre Kompetenz Kenntnisse in bestimmten Bereichen durch entsprechende Posten in der Privatwirtschaft „versilbern“. Die Firmen werden im Zweifelsfall gerne bezahlen, da sie sich so Vorteile für die künftigen Firmenaktivitäten verschaffen können. Und grundsätzlich halte ich dies auch für zulässig. Denn es ist sicherlich im Firmeninteresse, an jeder Position Menschen einzusetzen, die am besten für die jeweilige Tätigkeit qualifiziert sind.

Mindestens an der Grenze der Zulässigkeit sind allerdings solche (in der Regel lukrativen) Kooperationen, wenn der Eindruck entsteht, dass hier nicht eine künftige, sondern bereits in der Vergangenheit erfolgte Kooperation vergütet werden soll. Und so lese ich gerade irritiert bei www.heise.de:

Der frühere Bundesinnenminister Otto Schily hat Aufsichtsratsmandate bei zwei Firmen angenommen, die auf dem Gebiet der biometrischen Sicherheitstechnik aktiv sind. […]

Schily war während seiner Amtszeit als deutscher Innenminister (1998 bis 2005) maßgeblich an der Einführung des biometrisch gesicherten Reisepasses (ePass) beteiligt, der seit Ende 2005 ausgeteilt wird. […] Im vergangenen Jahr wurde der SPD-Politiker mit dem BigBrother-Lifetime-Award bedacht, unter anderem wegen der „übereilten Einführung des biometrischen ePasses mit unausgereifter Technologie und ohne parlamentarische Legitimation“.

„Als Sicherheitsexperte und treibende Kraft hinter der weltweiten Einführung elektronischer Reisepässe, speziell des deutschen ePasses, wird Otto Schily durch seine fundierten Marktkenntnisse die Positionierung der SAFE ID weiter stärken“, teilte die SAFE ID Solutions AG am heutigen Donnerstag mit

Ich kenne die genauen Details der Reisepass-Einführung nicht, aber es entsteht – zumindest in meiner Wahrnehmung – der Eindruck, dass ein maßgeblicher Akteur zunächst die ePass-Einführung forciert hat und dann später durch Aufsichtsratsposten der Firmen „belohnt“ wird, die von dieser Einführung profitieren.

Und da wäre sie dann, die Frage danach, ob zuerst das Huhn oder das Ei „da waren“. Kam zuerst das Engagement für das Thema „Sicherheit“ oder für die einzusetzenden Technologien und die beteiligten Firmen?

Und ich frage mich einmal mehr, warum jeder (kleine) Angestellte jedwede Nebentätigkeit melden bzw. genehmigen lassen muß, während dies bei Politikern weder vorgeschrieben noch (von ihnen selbst) als erforderlich angesehen wird. Ein generelles Verbot solcher Nebentätigkeiten nach könnte jedenfalls dem gelegentlichen Eindruck zuvorkommen, die Volksvertreter würden zu Interessenvertretern mutieren…

Update 20.08.06, 23:56 Uhr:
Offenbar hat Schily auch bei einer der beiden Firmen investiert, wie am 16.08.06 bei www.heise.de[2] zu lesen ist (siehe auch Vorabmeldung unter www.stern.de):

Das Engagement des früheren Bundesinnenministers Otto Schily beim bayerischen Sicherheitstechnologie-Anbieter SAFE ID Solutions beschränkt sich nicht nur auf einen Sitz im Aufsichtsrat. Gegenüber dem stern erklärte Schily, er habe eine Beteiligung an der SAFE ID Solutions AG erworben. Die genaue Höhe wollte er nicht nennen, sein Anteil sei aber minimal.[…]
Interessenkonflikte zwischen seiner früheren Tätigkeit und künftigen Aufgaben sieht der SPD-Politiker jedoch nicht.

Irgendwie glaubt ein Teil von mir immer noch an das Gute und hofft, dass hier wirklich nur – sicherlich vorhandene – Expertise eingekauft werden soll. Aber ein ausgesprochen schaler Beigeschmack bleibt…

E-Mails und Kommunikation nach Watzlawick

von Stefan Evertz am 08.08.06 um 12:55 Uhr | 8 Antworten

Als ich irgendwann Anfang der 90er das erste Mal mit dem ersten Axiom von Paul Watzlawick zu tun hatte („Du kannst nicht nicht kommunizieren“, siehe auch de.wikipedia.org), kam ich schnell zu der Einschätzung, dass diese „Regel“ nicht für Anrufbeantworter gilt. Denn jeder von uns hat schon einmal neben dem AB gestanden und gehört, wer da denn anruft – und je nachdem nahm man das Gespräch doch noch an oder eben nicht. Mit diesem Wissen im Hinterkopf konnte und kann so der Anrufer nie ganz sicher sein, ob der „Empfänger“ seines Anrufs nicht da ist oder einfach nicht mit ihm sprechen will.

Als dann 1994 bei mir die E-Mail als neues Kommunikationsmittel aufkam, musste ich irgendwann einräumen, das die Kommunikation per E-Mail möglicherweise eine weitere Ausnahme dieses Axioms darstellen könnte. Trotz aller (abschaltbaren) Lese- und Empfangsbestätigungen konnte man sich nie sicher sein, ob die Nachricht auch angekommen war. Auch die häufig beobachtete „Unfähigkeit“ mancher Benutzer, ihren Posteingang (und / oder ihren Arbeitsalltag) sinnvoll zu organisieren, mag dazu führen, dass irgendwie die Rückmeldung unter den Tisch fällt. Das „krasseste“ Beispiel hierfür dürfte wohl der Netscape Messenger-Posteingang einer Sekretärin an der Uni Essen gewesen sein, in dem etwa 5.000 E-Mails lagen – natürlich auch nicht per Backup gesichert… 🙄

Wirklich sicher über den vermuteten „Ausnahme-Charakter“ der E-Mail-Kommunikation wurde ich mir aber erst im letzten Jahr – mit Beginn des Bloggens. Schnell begann neben der „Kommentar-Kommunikation“ auch der Austausch per E-Mail mit anderen Bloggern und Website-Betreibern. Schließlich muß man nicht jeden Gedanken per Kommentar ins Netz blasen – gerade bei Anregungen oder Korrekturen ist meines Erachtens die E-Mail immer noch der „persönlichere“ und je nachdem auch weniger „aggressive“ Weg.

In vielen Fällen führten diese E-Mails zu guten persönlichen und häufig auch sehr konstruktiven Kontakten. Ohne die mailende Unterstützung aus verschiedenen Teilen des Landes z.B. wäre hier im Blog der Wechsel zu WordPress weitaus hakeliger geworden (übrigens: Danke, Thomas und Patrick!). Es gibt aber diverse „Fälle“, in denen auf E-Mails – „verlangt“ oder unverlangt – leider keine Rückmeldung folgte.

Nun kann man argumentieren: Warum ärgerst du dich, wenn du auf deinen „Spam“ keine Antwort erhältst? Und genau das ist das Eigenartige: Mehr als einmal habe ich erlebt, dass auf einen Hinweis oder eine Fehlermeldung prompt reagiert wurde – z.B. durch eine entsprechende Korrektur im Blog. Das ist wohl eine der Eigenheiten der Blogosphäre, dass jede kleine Veränderung technischer oder inhaltlicher Art sofort sichtbar ist. Aber warum reicht es dann nicht auch für eine Rückmeldung an mich – von einem „Danke“ mal abgesehen?

Und schon sind wir wieder beim Anrufbeantworter und der Frage, ob sich der Empfänger einer solchen E-Mail nicht mit mir austauschen kann – oder es nicht will. Und somit wäre auch für diesen Kommunikationskanal die Annahme von Watzlawick widerlegt. Schade eigentlich 🙁